Liebes Hamburg,

vielleicht hast du es schön von den Straßen gehört – ich gehe fort. So spontan wie du vor zwei Jahren mein zu Hause wurdest, verlasse ich dich auch wieder. Ich weiß, ich habe viel gemotzt mit dir: Über deine äußerst homogenen Stadtviertel, deine Akademiker, deine Werber, deine rücksichtslosen Radfahrer, die Städteplanung, die verwobene Politik einer Stadt, die ein Land sein möchte, deine Selbstverliebtheit, die Kotze vor der Tür am Sonntag Morgen, dein innerstädtisches Museumsdorf am Schulterblatt.

Vielleicht habe ich es manchmal auch übertrieben mit dem Motzen, schließlich kannst du nichts dafür. Darum wollte ich an dieser Stelle noch mal klar machen, wie viel die Zeit mit dir mir bedeutet. Mit all deinen Einflüssen, deinen Menschen, deinen Orten hast du mich verändert. Sei dir sicher, es gibt so viele Dinge, die ich vermissen werde: Dein Wind, deinen schnell-endenden Regen, deine linkskapitalistische, progressive Kultur, das Selbstverständnis im April draußen zu sitzen, auch wenn es regnet. Ich werde Sankt Pauli am Sonntag Morgen vermissen, genau wie die Menschen in den Cafés, Restaurants und Supermärkten dort. An keinen anderen Ort kann man bei jedem Spaziergang ein neues Kunstwerk entdecken.

Du hast mir auch viel beigebracht: Vegane Pancakes können wahnsinnig lecker sein, Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen können auf engstem Raum leben (auch wenn einige Eppendorfer das anders sehen) und ein Kiosk ist in der Lage mehr Limonaden- als Biersorten anzubieten.

In den zwei Jahren hier habe ich unfassbar viel gelernt: Über Startups und Venture Capital, über Corporates und Digitalisierung, über Lebenskultur und Glück. Und Glück habe ich hier zu Hauf gehabt: Mir wurde geholfen und ich hoffe auch geholfen zu haben. Ich habe Gedanken geschenkt bekommen, die ich nie wieder vergessen werde und Momente, die mich noch lange zum Lachen bringen werden. Du hast mir Menschen geschenkt, die ich jetzt hoffentlich nicht verlasse.

Du bist eine einzigartige Stadt, mit deinen eifrigen Gewässern und den ruhigen Parks, mit deiner Musik, deiner Kunst, deiner Strebsamkeit, deiner Verschwiegenheit. Eigentlich bist du das Tor für die Welt, denn auch wenn du jeden gerne hinein nimmst, gehst du nur ungern hinaus. Du bist ein Ort für Veränderung und du hast mich verändert – danke dafür!

Ich werde München Grüße von dir ausrichten und pass bitte auf mein Sankt Pauli auf.

Jenni

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.